faltencreme und lebenseinstellung

eines tages ist es soweit. man schaut in den spiegel und sieht sie, die ersten falten. dann kann man schon mit mitte zwanzig faltencremes benutzen. oder sich dem schicksal ergeben und, wie ich, falten etwas abgewinnen, ja sie anziehend oder gar sexy finden. wenn es schöne falten sind. lachfalten um die augen. falten, die von weisheit und lebenserfahrung sprechen. nicht diese harten falten um den mund herum, die erahnen lassen, dass ein mensch jahrelang mit verkniffenem gesichtsausdruck durchs leben gegangen ist. ich glaube nicht an den jugendwahn. ich glaube dass man schön altern kann. und lebensfreudig. und dass man dann schön ist. in jedem alter.

also warte ich mit wenig sorgen auf meine ersten falten. ich hoffe auf lachfalten, kann aber auch mit denkfalten leben. mit den ersten falten am hals habe ich längst leben gelernt. und mit den feinen linien, die sich langsam auf meiner stirn abzeichnen.

und jetzt das. seit einigen wochen sind sie da, und sie vertiefen sich. als ich sie das erste mal sah, hielt ich sie einfach für schlaffalten. falten, eingegraben ins gesicht vom aufderseiteliegen. und, ja, aufgrund der wortgestalt: ein wenig schlaff wirken sie auch. schlaffalten sind wohl immer ein wenig auch schlafffalten. jedenfalls erwartete ich selbstverständlich, dass sie spurlos verschwinden sollten, wie man das so von roten, tief in die haut eingegrabenen striemen, überresten von bahnsitzen, bücherkanten, händen, oder worauf sonst man so geschlafen hat, eben so kennt. sie sind eine weile da, wenn’s hochkommt ein paar stunden, und dann verschwinden sie. spurlos. bis zur nächsten schlafbegegnung mit harten gegenständen.

aber sie sind nicht verschwunden. sie lassen etwas nach, über den tag, in der tiefe ihrer eingegrabenheit. und doch sind sie da. manchmal konkurrieren sie sogar mit dem roten punkt auf meiner nase um meine aufmerksamkeit. und sie sprechen nicht von weisheit oder lebensfreude. sie sind einfach komisch. sie verlaufen von den seiten der nase schräg nach oben in richtung auge. nicht weit, jede weniger als einen zentimeter lang, je seite drei an der zahl, einige millimeter voneinander entfernt. was machen sie da bloß?

ich muß zugeben, ich fühle mich getäuscht. von meiner positiven lebenseinstellung. was hat sie mir nun geholfen? wer bitte hat solche falten und was wollen sie mir sagen? ich weiß es nicht. aber ich glaube, ich werde noch viele jahre zeit haben, mir diese frage immer wieder zu stellen. viele morgenblicke in den spiegel. so ist das mit der zeit. sie läuft weiter, ungefragt, und nicht immer in die richtige richtung. lebenseinstellung und faltencreme hin oder her. verdammt.

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One Comment on “faltencreme und lebenseinstellung”

  1. S.H. Says:

    oh mein Gott……..wer hat das geschrieben?????????…..das könnte von mir sein :o (…..Schlaf-falten-drama…..schlimm schlimm


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