jemand mit titten

heute morgen im sauerland. willens, einen ausflug zu machen, vielleicht einen badesee zu finden, steigen f und ich in mein auto. drehen am zündschlüssel. noch mal. nichts tut sich. verdammt. die stellung des hebels zeigt eindeutig, ich hab das licht angelassen. und kein überbückungskabel in sicht.

f macht sich auf, um drei sauerländer, die auf der anderen straßenseite in der sonne sitzen, nach einem kabel zu fragen. er leitet es ein, ‘ich will ja keine namen erwähnen, aber jemand hat das licht angelassen…’

‘bestimmt jemand mit titten’, schallt es aus der männerrunde, ‘höhöhöhöhö’, gemeinschaftliches lachen.. bzw. grölen. pikiert-verunsichertes lächeln seitens f. ich, 10 meter entfernt, denke, nein. das haben die nicht gesagt. hast dich verhört, bestimmt. (erstaunt hat mich natürlich weniger das freudig vorgetragene stereotyp als die zünftige ausdrucksweise am frühen morgen.)

solcherdings im machogehabe befriedigt, macht man sich nun auf, tatkräftige nachbarschaftshilfe zu leisten, innerhalb von weniger als fünf minuten ist das kabel bereits an meinen wagen und an den vom nachbar flugs herbeigefahrenen stromhabenden helfswagen angeklemmt. nun bemüht man sich um entschärfung des nicht rückgängig zu machenden, jeder habe ja schon mal das licht angelassen, nein, das passiere _natürlich_ nicht nur frauen. nun, denke ich, ich war es nicht, der man erklären muß, dass licht anlassen durchaus kein geschlechtsspezifisches merkmal ist. seis drum. wagen wieder flott, schnell die meute hinter uns gelassen.

unterwegs fragt f dann etwas geknickt, hat dich das eigentlich verletzt? ich muß einen moment überlegen, das war natürlich saudumm, klar, aber sowas steckt frau ja schließlich seit nunmehr fast 30 jahren weg. nicht wegstecken hat bekanntermaßen eskalation zur folge, belächelt werden als hyperempfindliche emanze. dann sagt f, hätten sie gesagt, das war bestimmt ein ausländer, das hätte mich schon verletzt.

ja, da ist es wieder. er hat ja recht, nicht zuletzt ich habe, ohne mich lobhudeln zu wollen, einiges mit für diese sensibilisierung getan. was ich bei chauvinistischen nachbarn wegstecke, stecke ich zu hause längst nicht weg. und, klar, hätten sie ausländer gesagt, hätte ich selbst es viel heftiger empfunden, ich wäre wütend gewesen, soviel ist sicher. hätte das nich tmit schulterzucken abgetan.

also, note to self: auch wenn es die nerven nicht schont, ist so manche empfindlichkeit wichtig, wichtig sie nicht zu verlieren. und, ja, auch das ist wahr: ich bin eben eine emanze. eine mit titten. und stolz drauf bin ich auch.

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