freifüßig

Posted 17. April 2007 by
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vor drei wochen noch hab ich hier im sauerland den schnee vom autodach geschaufelt (nicht ohne mich dilettantisch zu fühlen, solchen schneemengen fühlte ich mich nicht gewachsen und war von minderwertigkeitskomplexen gegenüber all den quasi zum schneeschaufeln geborenen sauerländern geprägt) - heute dann bin ich zum ersten mal in dieser saison* barfuß auto gefahren. da steigt direkt meine stimmung. zwar etwas in der temperatur verschätzt und im kühlen wind gefroren, doch meine fußfreiheit kann mir so schnell nix vermiesen!

* von jahreszeiten kann ja wohl keine rede mehr sein.

abgeschickt

Posted 17. April 2007 by
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habe ich einen brief, der mir lange quer lag. einen, der wie ein guter wein lange gereift sein muß, über einen zeitraum, in dem ich ihn immer wieder vor mir her, und, vor allem, von mir weg geschoben habe. einen brief an einen menschen, der mir sehr am herzen liegt. jetzt liegt er mir im magen, dieser brief, und läßt mich nicht zur ruhe kommen. er verfolgt mich, ist immer da in einer ecke meines bewußtseins, plötzlich steht er laut lachend vor meinem inneren auge und fragt provozierend, ob ich denke, er sei schon angekommen. ich treffe ihn in verschiedenen räumen der wohnung, auf der terrasse, beim pinkeln genauso wie beim mittagessen. er hält sich im hintergrund, solange ich abgelenkt bin, fast könnte ich ihn vergessen - doch sobald ich allein bin, steht er wieder da, groß und laut und verhöhnt mich.

gestern

Posted 10. April 2007 by
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abend zum ersten mal in dieser woche in den kalender geguckt. unter freitag den eintrag ‘fr. nachm.’ gefunden. zu doof, wenn man den falschen teil der information aufschreibt.

städtereise

Posted 6. April 2007 by
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ich war in urlaub. istanbul. statt euch mit all den touridingen - hagia sofia & co zu langweilen, will ich nur von einem abend erzählen, der mich wirklich beeindruckt hat.

meine gute freundin und reisebegleiterin und ich hatten einen anstrengenden tag des touriprogramms hinter uns (ja, doch soviel: in dem blöden reiseführer gab es ganze anderthalb spalten zum thema ‘juden’. ich wollte doch so gerne das jüdische viertel sehen! dann also ab dahin, um vor ort festzustellen, dass es sich nur um die alte synagoge handelte. das einzige, was davon zu sehen war - mir aber erstaunlich vertraut vorkam: eine hohe mauer und eine kamera am fest verschlossenen tor. da mittlerweile schon der freitag nachmittag anbrach und die neueren synagogen sich in einem völlig anderen stadtteil auf der anderen seite des goldenen horns befanden, und darüber hinaus samstag der letzte tag vor ort war.. ja, deshalb hab ichs dann doch nicht mehr gesehen. was ich eindeutig dem reiseführer ankreide. verdammt. wann komm ich schon noch mal nach istanbul.)

jedenfalls, zurück zum thema: nach dem verunglückten synagogenbesuch (eher -suche) haben wir uns mit ausgiebigem shoppen getröstet, und, da es dort sooo kalt war, immer wieder mit wärmenden kaffees. und am ende dann mit einem kühlen bierchen, in einer netten kneipe in einer seitenstraße der shoppingmeile. wie das dann so spielt, stellt sich nach etwa 3 weiteren bieren heraus, dass der ältere herr am nebentisch fließend deutsch spricht, da hier studiert und mehrere jahre in verschiedensten deutschen städten unterwegs gewesen. soweit, so gut. damit begann aber für mich ein abend, in dem ich einen einblick in eine seite der türkei bekam, die mir nicht nur fremd, sondern auch irgendwie (meinerseits bornierterweise, tschuldigung) vollkommen unerwartet war. denn es waren äußerst links denkende türken, türkische kommunisten, eine türkisch-kommunistische feministin, die mit am tisch saßen. befremdlich, aus dem mund dieser menschen dinge zu hören, die in deutschland menschen von sich geben, die der blinden angst vor allem muslimisch-religiösen verfallen sind, nein, in deutschland würde ich sie wohl einfach rassisten nennen.

und eine erinnerung an die gute, alte, viel politischere zeit. diese aufregung hat mich in politischen debatten lange nicht ergriffen, gegeneinander und doch miteinander zu diskutieren, während das alles ein irgendwie viel fundamentaleres gefühl von bedeutsamkeit begleitet: da werden nicht, wie hier, ein paar politische phrasen gedroschen zwischen den gesprächsthemen neuer ipod und wer welche frisur hat. ist es die angst vor repressalien, die alles so viel wichtiger erscheinen läßt? erinnerte mich an meine erste zeit in israel, die inbrunst und ergriffenheit, die ich mit politischen debatten verband, da habe ich mich ähnlich gefühlt. hier jedenfalls gelangten wir in eine kneipe, wo ein foto des kürzlich ermordeten armeniers hing, eine kneipe voller politisch denkender menschen, die ähnlich aussahen wie man hier die linke szene kennt, doch mit härteren erfahrungen im hintergrund - knast, verbotene symbole etc.

nicht dass ich mir solche härten hier wünschte. aber ich wünschte doch, dass das denken und mitgestalten von den lebensverhältnissen hier mir auch das gefühl dieser bedeutsamen aufgeregtheit geben würden, dass es hier einen raum für so ein klima gäbe, dass politik und die frage, wie wir hier zusammen leben wollen, vordergründiger wäre als die frage nach dem neuesten mp3-player und dem kontostand. es war nur ein kleiner hauch von dieser aufgeregtheit, die ich aus jugendlicheren tagen kenne, wo ist mir das nur verloren gegangen, unterwegs? nicht nur mir, außer in speziellen zirkeln denkt und redet man doch heute nur wenig über politische themen. und, ja, an diesem abend haben ich gemerkt, wie sehr mir das fehlt.

hab ja schon

Posted 25. März 2007 by
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einige rechner hängenbleiben sehen. zugegeben, seit ich zur applefront gewechselt bin, nur noch die anderer leute :D . aber gestern hat mein alter laptop mich in neue dimensionen des absturzes eingeführt: dieses bild zeigte er, nachdem er beim hochfahren stecken blieb.

cimg0948.JPG

wenn er läuft, ist er deutlich weniger unterhaltsam.

ich hätt da mal

Posted 24. März 2007 by
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ne frage. wie seht ihr das eigentlich mit der kleinschreibung? Ich wurde vor kurzem von einem Mitqyper darauf hingewiesen, dass er meine Artikel lieber lesen würde, wenn ich die üblichen deutschen Großschreibungsregeln befolgte. aus diesem anlaß mach ich mir nun ein paar gedanken zu dem thema.

da geht es um leserlichkeit und bequemlichkeit, vermutlich auf beiden seiten. ich kann von mir nur sagen, es begann mit der unkompliziertheit von emails und dem gefühl, das dort geschriebene weniger ‘ernst’ zu nehmen als in briefen (zugegeben, jahre her, wer schreibt heute überhaupt noch briefe. mir jedenfalls leider niemand.) das war wie so eine vorzone, eine zone der gesetzlosigkeit vielleicht, wo ich machen kann was ich will. das ist so geblieben. der hang zum kleinschreiben hat sich für mich für alles fortgesetzt, was mit dem internet zu tun hat - emails, blog, und was es sonst für gelegenheiten gibt. gleichzeitig schreibe ich ja auch arbeitsmäßig viel am Rechner, und zudem auch noch an meiner Diplomarbeit, und in beiden fällen benutze ich die Shifttaste mit großer Regelmäßigkeit. und wenn ich dann freizeitmäßig etwas schreibe, dann ist das weglassen der shifttaste so ähnlich wie nach der arbeit was bequemes anzuziehen, in männlichem bild: vielleicht die krawatte zu lockern, ach was, über bord zu schmeißen. ab in den trainingsanzug, kostüm in die ecke. total befreiend. wahrscheinlich macht es mir deshalb so viel spaß.

jetzt würde mich interessieren, wie ihr das beim lesen findet. ich persönlich bin ja dran gewöhnt und mag den kleinschreibigen schriftsatz auch wenn andere ihn benutzen. aber für großschreiber? ungewohnt oder ärgerlich? und wenn ja, was stört euch dran? Ich dachte mir, ich experimentiere jetzt erst mal ein wenig mit den Schreibweisen. einfach mal so, mal So. (was für leser wahrscheinlich die nervigste Variante ist, oder?) - aber so ganz kann ich das schlabberpullistragenbeimbloggen bestimmt nicht sein lassen.

vor einigen

Posted 24. März 2007 by
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tagen etwas an meinem kehlkopf entdeckt, nein erspürt. bei der gelegenheit mir böse vorgeworfen, dass seit 15 jahren rauchen sich rächen kann, gepaart mit dem unendlichen bedürfnis, die panik, die wie ein tiger meine magenwände bearbeitete, durch eine zigarette zu besänftigen. bis die hno-ärztin ganz entspannt, besänftigend aber auch ein wenig belächelnd mir mit den schönen worten ‘don’t worry’ eben jene panik nahm und sie mit ein paar globuli therapierte. und nu? nu hieß das ding in meinem hals tatsächlich ‘globus hystericus’ - da ist der name programm. aber hallo.

und sie reden doch

Posted 23. März 2007 by
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heute morgen eine erstaunliche entdeckung gemacht. sie reden doch, die sauerländer. nach mißglückten versuchen, im sauerland in der köllschen frohnaturmanier einfach mal jemanden anzusprechen, und der erfahrung, dass die armen sauerländer sich eher erschrecken als darüber freuen, hatte ich schon beschlossen, ihnen ihre stoische ruhe eben zu lassen. und dann das: heute morgen schnee geschippt, das auto war total zugeschneit, und so mit schneeschippe bewaffnet entlockt man den ebenso weiß schaufelnden nachbarn tatsächlich ein lächeln. mehr noch: _jeder_ der vorbei kam hat mich gegrüßt! zudem zählte ich drei nachbarn, die sich sogar in einem kleinen plausch versuchten! (’schön, dass doch noch winter ist’ / ‘ich hab heute morgen auch schon mein auto fotografiert, sonst glaubt uns das ja keiner, wenn das morgen wieder weg ist’ / ‘passen sie auf beim fahren, dass sie hier nicht ins rutschen kommen’). ja, der schnee bringt wohl selbst das herz der sauerländer zum schmelzen, und in so einer ortsüblichen tätigkeit wie schneeschippen wird selbst eine rheinländerin schnell in die nachbarschaft integriert. liebe sauerländer, heute morgen war ich drauf und dran, euch in mein herz zu schließen.

daher mein aufruf an petrus: laß es schneien im sauerland! - da ich eigentlich aber auf den sommer warte, bleibt nur zu hoffen, dass irgendwelche seiten des sommers ähnliches bewirken können. sonst wird es ein langes warten.

wisst ihr noch

Posted 22. März 2007 by
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wie schnee schmeckt? ich hatte mir das ja abgewöhnt, in den jahren in köln mit der braunen matschpampe die sich schnee schimpft, einmal nur habe ich dort probiert, auf einem autodach und war gräßlich enttäuscht. aber hier, im sauerland, da ist der schnee noch was er sein soll: eine kühle köstlichkeit, zartschmelzend auf der zunge, und dann ein rest von tauwasser im mund, der schmeckt wie durch hunderte meter gestein gesiebtes, plätscherndes quellwasser.. herrlich. ich kann das nur empfehlen (außer in großstädten). vielleicht frier ich mir was ein für heiße sommertage…

so weiß

Posted 22. März 2007 by
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oh so weiß war das sauerland bisher nur in meiner vorstellung. der blick aus dem fenster läßt weite und enge eins sein: kein horizont, schon das ende des tals, das am fußende meines betts beginnt, ist hinter der weißen wand nicht mehr auszumachen. alles ist gedämpft, wattiert, und unglaublich jungfräulich. es juckt mich, ein baum zu sein und alle äste zu schütteln und den schnee spritzen zu sehen wie nasses wasser aus meinen haaren nach der dusche. um narben ins makellose weiß einzugraben, die oberste schicht nur ein wenig aufzurauen, das glatt zu verwirbeln, und das tal aus seinem tiefschlaf zu wecken.

dann lichtet sich die schneewand und gibt den blick frei, auf die häuschen mit weißen mützen, die bäume, die aussehen als ob sie ihre last wie federn tragen. als wäre weihnachten plötzlich im märz, das hier sieht nicht aus wie ein versehen, oder wie eine verspätung, nein: hier ist der schnee ernst, hier gehört er hin, er hat das zepter an sich gerissen und gibt die macht nicht frei, er bestimmt den tag und die laune und die bewegung.